Auch wenn aus der Inhaltszusammenfassung nicht gleich ersichtlich, so bietet die Story bei genauerem Hinsehen von Anfang an die üblichen und schon unzählige Male verwendeten Superhelden-Klischees. Fangen wir bei Peter Parker an: er ist ein Außenseiter (vermutlich weil er intelligent und begabt ist) und wird

von den meisten seiner Mitschüler als Loser betitelt und gehänselt. Mitleid mit ihm hat nur die Nachbarstochter Mary Jane, in die Peter, – Überraschung! – seit er denken kann, verliebt ist. Nächste Auffälligkeit: Norman Osborn entwickelt sich durch den Selbsttest des leistungsteigernden Gases (tolle Sache!) an sich selbst zum bösen Kobold (siehe Riddler in
Batman Forever und Poison Ivy in
Batman & Robin). Dass sich der Bösewicht irgendwann die Menschen vorknöpft, die Spider-Man/Peter Parker am nächsten stehen, ist auch ziemlich vorhersehbar (wobei es besonders frappierend ist, wie sehr die Szene auf der Brücke an eine Szene aus
Batman Forever erinnert). Natürlich haben die meisten Superhelden miteinander viele Gemeinsamkeiten, da deren Geschichten doch sehr einfach gestrickt sind. Das ist dürfte jedoch kein Freibrief für die Macher (speziell Drehbuchautor David Koepp) sein, sämtliche vorhandenen Comichelden-Klischees in diesen Film zu pressen. Die Dialoge sind auch nicht unbedingt überzeugend, von banal und vorhersehbar über durchschnittlich bis unnötig moralisierend. Die Schauspieler können an den Schwächen nichts ändern. Immerhin schafft es Willem Defoe gerade noch, seinen Kobold-Part trotz eines selten dümmlichen Kostüms nicht ins völlig Lächerliche abgleiten zu lassen. Kirsten Dunst (Bild links) macht als Mary Jane vor allem zwei Dinge: nett in die Kamera schauen oder laut schreien, während Tobey Maguire zwar irgendwie sympathisch wirkt, aber einige mimische Aussetzer bietet, die aussichtsreiche Chancen auf einen Preis für die dümmste Grimasse hätten.
Filmkomponist Danny Elfman liefert zwar einen passenden Score, hat sich aber (wohl aus Ideenmangel?) doch etwas bei seiner eigenen Batman-Filmmusik bedient. Im Bereich Action und Effekte kann
Spider-Man auch nicht wirklich überzeugen. Die Actionszenen sind zwar rasant und sehen nett aus, aber von einem Comicfilm erwartet sich man mehr Schauwerte. Es ist zwar nett anzusehen, wenn Spider-Man sich durch die Skyline von New York hangelt, aber dann doch offensichtlich nicht echt, sondern durch CGI erzeugt. Der visuelle Stil erinnert an manchen Stellen etwas auffällig an
Matrix.
Auch wenn die Erwartungen in Bezug auf die Story bei Comicfilmen meist eher gering sind, so scheitert Spider-Man mit seinem Netz voller gängiger Klischees genau daran. Visuell kann der Film auch nicht überzeugen. Völlig unverständlicherweise kam das Machwerk im Sommer 2002 weltweit bei Kritikern und Publikum gut an. Damit zählt Spider-Man wohl zu den am meisten überbewerteten Filmen aller Zeiten. Dem jüngeren Publikum mögen die genannten Kritikpunkte nicht so auffallen, aber allen, die sich für den Superhelden interessieren, sollten sich eher die Zeichentrickserien ansehen oder zu den Comics greifen.
Fazit: Mehr als 3 von 10 Punkten sind vor allem wegen der klischee-überfrachteten Story einfach nicht drin. Enttäuschende Comicverfilmung ohne Tiefgang und mit zu wenigen Schauwerten.
Zur DVD
Den Film gibt es bisher in mehreren DVD-Editionen: als Einzel-DVD mit weniger Bonusmaterial, als 2er DVD-Box mit mehr Bonusmaterial (u.a. Audiokommentare) als Deluxe Edition (3 DVDs) und als Collectors Edition zusammen mit Spider-Man 2.
Marius Joa, 11. März 2007. Bilder: Columbia Pictures.
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