Der haushohe Favorit No Country For Old Men wurde seiner Rolle gerecht und gewann vier der wichtigsten Oscars, nämlich bester Film, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch und bester Nebendarsteller (Javier Bardem). Die Coen-Brüder Joel und Ethan gewannen gleich drei dieser Goldjungen, waren sie doch als Regisseure, Drehbuchautoren und gemeinsam mit Scott Rudin als Produzenten des Films tätig. Javier Bardem rundete mit seinem Darsteller-Oscar das Feld ab.
Dreifach ausgezeichnet: Die Coen-Brüder Joel und Ethan
Eine hundertprozentige Ausbeute sicherte sich überraschend Das Bourne Ultimatum, der dritte Teil der Bourne-Reihe. Er gewann für den besten Ton, Tonschnitt und Schnitt. Je zwei Oscars gewannen There Will Be Blood und La Vie En Rose.
Als bester Hauptdarsteller setzte sich mit Daniel Day-Lewis für There Will Be Blood der klare Favorit durch. Das Öl-Drama gewann auch für die beste Kamera. Bei der Krönung der besten Hauptdarstellerin gewann etwa unerwartet Marion Cotillard für die Verkörperung der Edith Piaf in La Vie En Rose. Der Musikfilm gewann auch für das beste Make Up.
Die größte Überraschung erlebte man jedoch bei der besten Nebendarstellerin. Nicht die hoch gehandelte Cate Blanchett für I’m Not There, sondern Tilda Swinton für Michael Clayton gewann. Die Schottin zeigte sich vollkommen überrascht, aber überglücklich.
Der Independent-Kassenschlager Juno, über die außergewöhnliche Schwangerschaft eines Teenagers, gewann für das beste Original-Drehbuch. Autorin Diablo Cody, für die es zudem das Drehbuch-Debüt war, zeigte sich sichtlich gerührt. Regisseur Brad Bird gewann für Ratatouille seinen zweiten Oscar in der Kategorie bester Animationsfilm.
Nach dem deutschen Triumph 2007 mit Das Leben der Anderen gewann erneut ein deutschsprachiger Beitrag den Oscar für den besten fremdsprachigen Film: das Nazi-Drama Die Fälscher, über von den Nazis beauftragten Blütenhersteller. Regisseur Stefan Ruzowitzky sagte in seiner Rede, nachdem die ersten österreichischen Regisseure wie Billy Wilder oder Otto Preminger wegen der Nazi-Herrschaft auswandern mussten, sei es nur logisch, dass sich der erste österreiche Oscar-Gewinnern mit dieser auseinandersetze.
Bester Dokumentarfilm wurde nicht Michael Moores Sicko, sondern Taxi To The Dark Side, ein Film über die Verschleppung unschuldiger in Foltercamps. Die Vergabe des Oscars für den besten Dokumentar-Kurzfilm wurde durch eine Handvoll per Satellit aus Bagdad zugeschaltete US-Soldaten durchgeführt. Hier gewann Freeheld, über eine sterbende Frau, die ihrer Lebenspartnerin ihr Vermögen hinterlassen will und dabei auf Widerstand stößt.
Die künstlerischen Awards wurden unter den üppig-ausgestatteten Filmen verteilt. Die Musical-Adaption Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street gewann für die beste Ausstattung. Die Fortsetzung Elizabeth – Das Goldene Königreich wurde für die besten Kostüme ausgezeichnet. Bei den visuellen Effekten setzte sich der Fantasyfilm Der Goldene Kompass gegen den Actionfilm Transformers durch.
Aus dem irischen Low-Budget-Musikfilm Once gewann Falling Slowly als bester Filmsong, den Preis erhielten die beiden Hauptdarsteller Glen Hansard und Markéta Irglová. Mit dem Oscar für die beste Filmmusik holte sich die hoch gehandelte Literaturverfilmung Abbitte den Trostpreis.
Durch die mit 200 Minuten recht zügig laufende Show führte zum zweiten Mal nach 2006 der Talk-Host Jon Stewart (Bild rechts). Stewart hielt sich sehr zurück, brachte dennoch einige gelungene Gags:
„Der Oscar wird dieses Jahr 80. Das macht ihn zum aussichtsreichen Bewerber als Präsidentschaftskandidaten für die Repubilkaner.“
„Sie fragen sich sicher, was wir in den Werbepausen machen. Wir fragen uns, was die Zuschauer wohl tragen.“
Das 80jährige Jubiläum der Verleihung des begehrten Filmpreises der Welt wurde vor allem durch die Einblendung früherer Gewinner und großer Momente aus der Oscar-Geschichte begangen. Den diesjährigen Ehrenoscar gewann der 98jährige Produktionsdesigner Robert Boyle (Der unsichtbare Dritte, Anatevka).
Die europäischen Schauspieler Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton,
Marion Cotillard und Javier Bardem gewannen die Darsteller-Oscars.
Hier nun alle Gewinner im Überblick
Bester Film
No Country For Old Men / Scott Rudin, Joel & Ethan Coen
Bester Hauptdarsteller
Daniel Day-Lewis / There Will Be Blood
Beste Hauptdarstellerin
Marion Cotillard / La Vie En Rose
Bester Nebendarsteller
Javier Bardem / No Country For Old Men
Beste Nebendarstellerin
Tilda Swinton / Michael Clayton
Beste Regie
Joel & Ethan Coen / No Country For Old Men
Bestes Original-Drehbuch
Juno / Diablo Cody
Bestes Adaptiertes Drehbuch
No Country For Old Men / Joel & Ethan Coen
Bester Animationsfilm
Ratatouille / Brad Bird
Bester Dokumentarfilm
Taxi To The Dark Side / Andrew Gibney & Eva Orner
Bester fremdsprachiger Film
Die Fälscher (Österreich) / Stefan Ruzowitzky
Beste Kamera
There Will Be Blood / Robert Elswit
Beste Ausstattung
Sweeney Todd: Der teuflische Barbier aus der Fleet Street / Dante Ferretti & Francesca Lo Schiavo
Bester Schnitt
Das Bourne Ultimatum / Christopher Rouse
Beste visuelle Effekte
Der Goldene Kompass / Michael Fink, Bill Westenhofer, Ben Morris & Trevor Wood
Beste Kostüme
Elizabeth: Das Goldene Königreich / Alexandra Byrne
Bestes Make Up
La Vie En Rose / Didier Lavargne & Jan Archibald
Bester Ton
Das Bourne Ultimatum / Scott Millan, David Parker & Kirk Francis
Bester Tonschnitt
Das Bourne Ultimatum / Karen Baker Landers & Per Hallberg
Beste Filmmusik
Abbitte / Dario Marianelli
Bester Filmsong
“Falling Slowly” - Once / Glen Hansard & Markéta Irglová
Bester animierter Kurzfilm
Peter & The Wolf / Suzie Templeton & Hugh Welchman
Bester Kurzfilm
Le Mozart des Pickpockets / Philippe Pollet-Villard
Bester Dokumentar-Kurzfilm
Freeheld / Cynthia Wade & Vanessa Roth
Ehrenoscar für das Lebenswerk
Robert Boyle (Produktionsdesigner)
Weitere Infos zu allen Gewinnern und Nominierten sowie viele Fotos gibt’s unter www.oscar.com und www.imdb.com .
Marius Joa, 25. Februar 2008. Bilder: AMPAS.
Kritiken zu den diesjährigen Oscargewinnern:
No Country For Old Men (bester Film, beste Regie, bestes adaptiertes Drehbuch, bester Nebendarsteller)
There Will Be Blood (bester Hauptdarsteller, beste Kamera)
Abbitte (Beste Filmmusik)
Die Fälscher (Bester fremdsprachiger Film)
Der Goldene Kompass (Beste visuelle Effekte)
Michael Clayton (Beste Nebendarstellerin)
Ratatouille (Bester Animationsfilm)
Sweeney Todd (Beste Ausstattung)