Beating Hearts

Der französische Schauspieler Gilles Lellouche hat mit Beating Hearts seinen zweiten Film als Regisseur gedreht. Das prominent besetzte Drama handelt von der unmöglichen Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Menschen aus verschiedenen Welten.

Beating Hearts (L’Amour Ouf)
Liebesfilm/Gangsterdrama Frankreich, Belgien 2024. FSK: Freigegeben ab 16 Jahren. 161 Minuten. Kinostart: 27. März 2025.
Mit: François Civil, Adèle Exarchopoulos, Mallory Wanecque, Malik Frikah, Alain Chabat, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Karim Leklou, Élodie Bouchez, Raphaël Quenard, Thibaut Lair, Gilles-Alane Ngalamou Hippocrate, Logan Lefebvre u.v.a. Nach dem Roman Jackie Loves Johnser OK? von Neville Thompson. Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Hamidi, Aubrey Diwan. Regie: Gilles Lellouche.



C+J Forever

Eigentlich könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Die 15jährige Jackie (Mallory Wanecque) wächst nach dem Tod der Mutter behütet bei ihrem Vater (Alain Chabat) auf, während der 17jährige Clotaire als Sohn einer kinderreichen, armen Arbeiterfamilie die Schule geschmissen hat und mit seinem Bruder Kiki (Logan Lefebvre) sowie seinem besten Freund Lionel (Gilles-Alane Ngalamou Hippocrate) durch unflätiges Benehmen und kleine Delikte auffällt. Doch auch wenn das gebildete Mädchen und den mit wenig Wortschatz ausgestatteten Jungen Welten trennen, so verlieben sich die beiden unsterblich ineinander. Ihre Beziehung wird jedoch davon überschattet, dass Clotaire zunehmend auf die schiefe Bahn gerät und für den lokalen Gangsterboss La Brosse (Benoît Poelvoorde) arbeitet. Nach einem Überfall mit tödlichem Ausgang wird Clotaire für eine Verbrechen verurteilt, dass er nicht begangen hat.

Zehn Jahre später wird Clotaire (nun: François Civil) aus dem Gefängnis entlassen. Mit der Hilfe seiner Mutter (Élodie Bouchez) und Kiki (jetzt: Raphaël Quenard) versucht er wieder ein normales Leben zu führen. Jackie (Adèle Exarchopoulos) hatte seit der Verurteilung keinen Kontakt mehr zu ihrer Jugendliebe und ist mittlerweile mit dem wohlhabenden Autohaus-Manager Jeffrey (Vincent Lacoste) verheiratet. Als Clotaire davon erfährt ist er am Boden zerstört. Die Rache an La Brosse und dessen Gang scheint das einzige, was ihm noch bleibt. Doch das Schicksal führt die beiden Liebenden wieder zusammen…

Clotaire und Jackie

Mit Rollen in Filmen wie Anthony Zimmer (2005), Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt (2008), Das Leben ist ein Fest (2017) und als Obelix in Asterix & Obelix im Reich der Mitte (2023) hat sich Gilles Lellouche einen Namen als Schauspieler gemacht. Doch der 1972 geborene Franzose wirkt auch als Regisseur. Seine zweite alleinige Regie-Arbeit, Beating Hearts, feierte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2024 Premiere und erhielt dort von allen Werken im Hauptwettbewerb die schlechtesten Kritiken, konnte nach dem französischen Kinostart aber mehrere Millionen Zuschauer*innen in die dortigen Lichtspielhäuser locken. Die Mischung aus Liebesfilm und Gangsterdrama basiert auf dem Roman Jackie Loves Johnser OK? des irischen Autors Neville Thompson, wobei das Setting von Irland nach Frankreich verlegt wurde. Ein großes Meisterwerk ist Lellouche jetzt nicht gelungen, aber für mich überwiegen hier eindeutig die positiven Eindrücke.

Ursprünglich sollte L’Amour Ouf (so der Originaltitel) drei Stunden lang sein, doch die in Cannes veröffentlichte Version ging nur 166 Minuten, welche für die Kinoauswertung nochmal um fünf Minuten gekürzt wurde. Vor allem fiel eine Tanzszene am Ende der Schere zum Opfer. Das Erstaunliche, Kuriose an der französisch-belgischen Produktion: obwohl Lellouche hier eine überhöhte Liebesgeschichte und ein drastisches Drama über das Abrutschen in die Kriminalität präsentiert, so wirkte der Film zu keiner Zeit auf mich kitschig oder plump. Vielmehr wird hier ein teils wunderschön anzusehendes Melodram auf ausschweifende Weise inszeniert, immer wieder von Gewaltspitzen überschattet.

Die Ende der 1980er spielende erste Hälfte erweist sich dabei als die bessere. Jackies und Clotaires Kennenlernen, Anbandeln und Verliebtsein wird mit tollen Kamera-Fahrten und Bild-Montagen sowie (immerhin) einer an Hollywood-Musicals erinnernden Tanz-Einlage zelebriert, untermalt von A Forest von The Cure, der Lieblingsband Jackies. Musik der 1980er und später auch der Neunziger spielt immer wieder eine gewichtige Rolle, z.B. Nothing Compares 2 U als Mixtape-Liebesbekenntnis. Doch seine eigene Perspektivlosigkeit treiben Clotaire in die Arme des hiesigen Gangsterbosses und weg von seiner großen Liebe Jackie.

Einen erheblichen Anteil daran, dass die Lovestory so gut funktioniert hat das junge Schauspieler-Duo Mallory Wanecque als Jackie und Malik Frikah (mehrfacher Breakdance-Meister) als Clotaire, beide die titelgebenden schlagenden Herzen des Films. Adèle Exarchopoulos (Blau ist eine warme Farbe, The Five Devils) und François Civil (Die drei Musketiere [2023], The Good Teacher) können als erwachsene Versionen nicht die gleiche Intensität entwickeln, auch weil sie weniger gemeinsame Screentime haben. Generell lässt Beating Hearts im letzten Drittel leider etwas nach und wird dann trotz der langen Laufzeit vergleichsweise rasch zu Ende gebracht. Mit Alain Chabat (Asterix & Obelix: Mission Kleopatra, Smoking Causes Coughing) als Jackies Vater und dem Belgier Benoît Poelvoorde (Asterix bei den Olympischen Spielen, Das brandneue Testament) als La Brosse könnte Lellouche sein buntes Ensemble um zwei bekannte Größen erweitern.  

Fazit: Angenehm unkitschige, teils drastische, stark inszenierte Mischung aus überhöhter Liebesgeschichte und Gangsterdrama. 7 von 10 Punkten.



Clotaire wieder auf freiem Fuß
Jackie und Jeffrey
Wiedersehen nach über zehn Jahren



Marius Joa, 31. März 2025. Bilder: Studiocanal.


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